Unterschiedliche Sicht auf Rolle der Bundeswehr in Schulen (SZ)

An der Podiumsdiskussion von Pax Christi über Informationsoffiziere im Unterricht vom 18. März nahm auch ein Lehrer des Pro-Gymnasiums Bad Buchau teil.

Riedlingen sz „Schulfrei für die Bundeswehr“ – mit dieser provokanten Fragestellung hatte die katholische Friedensorganisation „Pax Christi“ in die Gemeinschaftsschule eingeladen, um über die Rolle des Militärs an baden-württembergischen Schulen zu diskutieren. Seitdem die Wehrpflicht ausgesetzt ist, kommen vermehrt sogenannte Jugendoffiziere in den Unterricht – dagegen wendet sich Pax Christi.

Der Politikwissenschaftler Richard Bösch, der sich auf Friedens- und Konfliktforschung spezialisiert hat, definierte in seinem Auftaktreferat zunächst den Begriff „Frieden“ aus wissenschaftlicher Sicht. So gehe es nicht um die Abwesenheit von Konflikten, sondern um die Bearbeitung von Konflikten mit gewaltfreien Mitteln. Der Friedensforschung gehe es darum, Prozesse einzuleiten, in denen die Gewalt abnimmt und Gerechtigkeit zunimmt.

„Unsere Gesellschaft hat den Auftrag zur Friedensbildung“, so Bösch. Dieser Auftrag sei in den Gesetzestexten von der UNESCO bis hin zur Baden-Württembergischen Landesverfassung festgehalten. Eine zentrale Rolle kommt aus seiner Sicht den Schulen zu, in der junge Menschen durch politische Bildung zu reflektierten Menschen heranreifen sollen. Er vertritt den Standpunkt, dass Jugendoffiziere nicht in den Schulunterricht geholt werden sollten, um über internationale Politik und Krisenherde zu referieren – weil deren Sicht eine einseitige militärische sei. Zudem sei dies eine unterschwellige Werbung, um Nachwuchs für die Bundeswehr zu rekrutieren.

Es folgte eine lebhafte Podiumsdiskussion, die von Kerstin Leitschuh vom Katholischen Dekanat moderiert wurde. Das katholische Bildungswerk und evangelische Bildungswerk Oberschwaben waren Mitveranstalter. Auf dem Podium nahmen Martin Gabel, Gemeinschaftskundelehrer des Pro-Gymnasiums Bad Buchau, und Ulrich Widmann, pensionierter Lehrer, ehemaliger Soldat und Regionalpolitiker, Platz. Zudem waren die Schülersprecher des Kreisgymnasiums Kasimir Romer und Martin Weiß vertreten.

Gute Nachbereitung wichtig

Gabel lädt Jugendoffiziere in seinen Unterricht ein, legt aber großen Wert auf eine gute Vor- und Nachbereitung des Besuchs. Außerdem versucht er die militärische Sichtweise auszugleichen, indem er eine Amnesty International Gruppe in der Schule gegründet hat. Richard Bösch hielt dem entgegen, dass die Bundeswehr mit hochprofessionellem Personal ausgestattet ist, das sich eigens auf Schulbesuche spezialisiert habe. Ehrenamtliche Friedensgruppen hätten weder die personellen, noch die finanziellen Mittel, um da mithalten zu können. Deshalb fordert er, dass die Lehrer diese Themen ganz ohne Hilfe von außen erarbeiten sollten. Er wies auf die vom Kultusministerium und der Landeszentrale für politische Bildung neu geschaffene Servicestelle Friedensbildung hin, die Informationen und Materialien bereitstelle.

Von Schülerseite wurde eingeräumt, man verstehe nicht, was die Bundeswehr zum Thema Friedensbildung beizutragen habe. In der anschließenden allgemeinen Diskussion mit dem Publikum stellte sich heraus, dass auch ein Jugendoffizier anwesend war, der engagiert versuchte die Rolle der Bundeswehr zu verteidigen. Musikalisch umrahmt wurde von Ute Giese, Gabriele Lang und Bernd Geisler unter anderem mit der Händel-Arie „Waffenhandwerk schafft nur Unheil“.

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Text: Schwäbische Zeitung vom 29. März 2017

Foto: SZ (privat)